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Die Traditionsgarden im Köln-Bonner Raum und ihre Uniformen

Von Hubert Wesseling

Betrachtet man in der Karnevalszeit die uniformierten Garden so stellt man fest, dass die Farben „Blau/Rot“ und „Rot/Weiß“ führend sind. Im ehemaligem Kölner Kurfürstentum – der Wittelsbacher Rheinlandpfalz – sind die Hausfarben „Blau/Rot“, in der ehemaligen Freien Reichsstadt Köln dominiert „Rot/Weiß. Dafür gibt es doch bestimmt Erklärungen. Gibt es:

Köln: Seit 785 ist Köln Erzbistum, demnach Sitz des Erzbischofs, dessen Farben sind das Kardinalrot und das Vatikanweiß. Köln ist seit dem Mittelalter Hansestadt und seit 1288 eine „keiner fremden Macht unterworfene Freie Reichsstadt“. Sie hat Sitz und Stimme im Deutschen Reichstag und untersteht dadurch nur einem Deutschen Kaiser. Ab 1214 sind die Fürsten aus dem Herrscherhaus Wittelsbach Kurfürsten der Rheinlandpfalz und gleichzeitig Erzbischöfe von Köln. In der Freien Reichsstadt Köln üben sie aber nur kirchliche Gewalt aus, dass heißt: es gibt dort keine kurfürstliche Residenz. Die Stadtfarben „Rot/Weiß“ weisen auf Bischofssitz hin. Im Stadtwappen deutet die Mauerkrone auf die Unbezwingbarkeit hin, und die in bestimmter Reihenfolge angeordneten 11 Flämmchen erinnern an die Ermordung von 11.000 Jungfrauen, begangen auf Befehl des Hunnen- Khan Attila (um 383), weil sich Ursula, die Tochter eines englischen Königs weigerte, den Hunnen- Khan zu heiraten. So die Legende. Ursula wurde heilig gesprochen und ist heute eine Stadtpatronin.

Raum Bonn: Hier dominiert „Blau/Rot“. Bonn war von 1273 bis 1794 Residenzstadt der Kurfürsten aus dem Hause Wittelsbach und Habsburg. Unter den Wittelsbacher entstehen in Bonn das Residenzschloss, das Poppelsdorfer Schloss, sowie in Brühl die Schlösser Falkenlust und Augustusburg, und weitere Herrensitze im engerem Fürstentum. Die Hausfarben der Souveräne sind das „Indigoblau oder Königsblau“ das „Kardinalrot“ und das „Weiß“. Das tragen der Farbe „Royalblau“ ist in jener Zeit nur Souveränen erlaubt, also den „Blaublütigen“. Der prunksüchtige Kölner Kurfürst Clemens August kleidete seine Leibregimenter in Uniformen seiner Hausfarbe. So trägt das Bonner Stadtsoldatencorps die Originaluniform des 1. Leibregiments zu Fuß. Unsere Uniform ist dieser Zeit angelehnt. Nach der Wiedergründung unseres Corps anno 1952, trugen wir bis etwa 1967 eine identische kurfürstliche Uniform. Dann wurde der Uniformrock in den jetzigen Schnitt verändert und er ist deshalb kein Original mehr, sondern nur noch eine Anlehnung.

Wir werden manchmal auf unsere „französischen Uniformen“ angesprochen und leider wird das auch noch von einigen Vereinsmitgliedern bestätigt. Um das hier noch einmal aufzuklären: Als die französische Revolutionsarmee unter Napoleon Bonaparte, 1794 die freie Reichsstadt Köln und die Residenzstadt Bonn besetzten, waren unsere Uniformen schon passe. Der Kölner Kurfürst Maximilian Franz, verließ schon 1793 die Residenzstadt Bonn. Die Franzosen lösten die Kölner Polizeitruppe und die kurfürstlichen Regimenter auf. Einzig das Bonner Stadtwappen weist noch mit dem Kreuz und dem Bayrischen Löwen, auf vergangene kurfürstliche Zeiten hin.

Schaut man über die Swist hinweg oder blickt man in die Nachbarstadt Rheinbach stellt man fest, dass dort die Farben „Rot/Weiß“ dominierend sind. Wir sind jetzt in einem früheren Herzogtum oder einer Grafschaft, hier ist das „Royalblau“ tabu. Da diese Territorialherren ebenso der Katholischen Religion angehören und Klerikale Ämter ausüben, ist das „Kardinalrot“ ihre Hausfarbe. Schauen wir in die Voreifel, die Hocheifel, in den Raum Jülich oder nach Düsseldorf, überall dominiert „Rot/Weiß“. Diese Gebiete sind frühere Herzogtümer oder Grafschaften. Die Farben zeigen aber auch, dass wir im Römisch- katholischen Rheinland zu Hause sind.

Eine Ausnahme ist die ehemalige Reichsstadt Aachen: Sie ist schlechthin die Deutsche Krönungs- und Kaiserstadt. Es berechtigt sie, die Farben der Souveräne zu verwenden. Daher tragen auch die „Oecher Penn“, eines der ältesten Traditionscorps in Deutschland, die Farben „Royalblau/Kardinalrot“.